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DER PERRO DE AGUA ESPAÑOL
Als es das erste Mal
an eine Rassebeschreibung ging, dachten wir an das, was man
üblicherweise auf allen Websites über diese Hunde finden kann wie Standard, Ursprung, Verwendung, usw. Dann kamen wir aber zum
Schluss, dass Menschen, die diese Rasse kennen, sich dafür nicht
mehr interessieren und dass andere, die die Rasse noch nicht kennen,
inzwischen ausreichend Websites zur Verfügung haben, auf denen sie diese
Informationen finden können.
Wir denken, dass es interessanter ist zu wissen, wie sich das
Zusammenleben mit diesen Hunden gestaltet, wie man sie ausbildet,
wie sie mit anderen Tieren, Kindern, Menschen auskommen – eben all
das, was einer Familie hilft zu entscheiden, ob diese Rasse die
richtige Wahl für sie ist.
Was das Zusammenleben mit dem
Perro de Agua Español in jedem Fall erleichtert, ist eine
gute Portion Humor. Sich selbst nicht ganz ernst zu nehmen und die
Hunde auch nicht (immer), ist eine gute Ausgangsposition für den
Schabernack und die Misslichkeiten, die sich im Laufe des
gemeinsamen Lebens ereignen werden.
Sie manipulieren, sie mogeln, sie betteln – und das auf
eine so intelligente Art, dass sie es fast unbemerkt von uns an ihr
Ziel bringen. Selbst erwischt in einer absolut prekären und
eindeutig misslichen Lage schaffen sie es, uns davon zu überzeugen,
dass sie eigentlich nichts – aber auch gar nichts – mit all dem zu
tun haben (die auf dem Küchentisch liegende Leckerchentüte ist ganz
von alleine auf den Boden gefallen – der Braten auf dem Tisch war
nicht schwindelfrei und hat sich daher orientierungslos nach unten
gestürzt – das Sofakissen hat den Hund angegriffen und musste erlegt
werden – der Ball im Regal war einsam und suchte Trost im
Hundemaul…). Die Geschichten sind unendlich und schließen trotz
allem den gut erzogenen Hund nicht aus. Ein liebevoller Nasenstubser
und ein breites Grinsen bringen das aber immer wieder schnell in
Ordnung.


Wenn man sich für einen Familienhund entschließt, ist es immer gut
und hilfreich zu wissen, wofür die entsprechende Rasse ursprünglich
gezüchtet und eingesetzt wurde und wird.
Bei dieser Rasse handelt es sich um Spezialisten, die
ursprünglich zum Hüten, aber auch bei der Jagd auf Wasservögel und
als Fischereihelfer gezüchtet wurden. Der Perro de Agua Español
holte die aus den Netzen zurück ins Meer gefallenen Fische wieder in
das Boot und half den Deckarbeitern die Bootsleinen an die im Meer
schwimmenden Bojen zu befestigen. Perros am Atlantik haben sich
schon so stark an das Wasser angepasst, dass sie Schwimmhäute
zwischen den Zehen haben. Eine unserer Perras taucht problemlos 3-4
Meter, während die andere gerade mal mit dem Kopf ins
Wasser taucht. Leya hat sich das Tauchen selbst beigebracht. Als wir
mal an einem See waren, ist sie immer wieder mit dem Kopf
untergetaucht um Wasserpflanzen vom Grund hochzuholen. Anfangs im
flachen Wasser, später auch im tieferen. Nicht alle Perros tauchen, viele stecken auch nur den
Kopf unter Wasser. Selbst bei den Campeonatos de Trabajo, den
Arbeitswettbewerben, die jedes Jahr bei Cadiz stattfinden, tauchen
die Perros nur einen guten Meter, wie uns Teilnehmer schon erzählt
haben. Zwei Meter sei schon eine hervorragende Leistung. Auch in der
Jetzt-Zeit werden sie noch als Hüter von Schaf-,
Ziegen oder Schweineherden verwendet.
Beim Hüten geht es um
Macht und darum, wer den anderen dominieren kann. Deshalb muss der
Hund davon überzeugt sein, dass er am längeren Hebel sitzt. Die
Schafe testen immer wieder ob sie den Hund verjagen oder
niederrennen können. Er muss daher selbstbewusst und unerschrocken
sein. Je stärker der Trieb, desto schwerer ist er zu beschädigen,
etwas durch ein respektloses Schaf, das Tritte austeilt. Der Perro bellt
dabei unentwegt. Perros hüten auch Schweine und Rinder, was noch
viel schwerer ist, weil hier das Größenverhältnis gegen den Hund
spricht. Der Perro wurde auf Hüteleistung für den durchschnittlichen
Bauern selektiert, es geht nicht um das Millimeterweise fernsteuern
wie beim Border Collie. Schönheit und Familientauglichkeit waren
sekundär. Wenn man nicht auf die züchterische Selektion auf diese
Begabung achtet, besteht der Hütetrieb irgendwann nur noch aus
Rudimenten. Unsere
Hunde zwicken den Schafen, um sie anzutreiben, öfters in die Hinterbeine, teilweise so heftig,
dass diese bluten. Das ist auch der Grund, weshalb die
Schäfer in Spanien ihren Perros teilweise die Zähne abgeschliffen
haben.
Um sich einen
Überblick über die Herde zu verschaffen, springen sie wie Gummibälle in
die Höhe. Da der Perro furchtlos ist, wird er in Spanien bei der
Polizei im Schutzdienst eingesetzt. In den Bergwerken wurden sie eingesetzt um die Ratten zu
bekämpfen und zur Bewachung.

Durch den teilweisen Wegfall
der traditionellen Einsatzbereiche, vor allem bei den Fischern, aber
auch bei den Schäfern, ging der Bestand bei den Hunden stark zurück.
Der Erhalt der Rasse ist vor allem ein Verdienst von Antonio García
Pérez, dem Präsidenten des spanischen Rasseverbandes Asociación Española
del Perro de Agua Español
(kurz
A.E.P.A.E.). Von diesem Verband wurde der Rassestandard festgelegt,
nachdem unter anderem der Perro nicht gekämmt oder gebürstet wird
und die Schur am ganzen Körper vollständig und gleichmäßig erfolgt. Ein großer Vorteil ist, dass ein Perro nicht haart, da er keinen
Fellwechsel hat. Dadurch dass in
Spanien die Rute traditionell kupiert wurde, ist im Standard keine
Form festgelegt. Durch die Pionierarbeit von Antonio García Pérez
gehen die meisten Perros in ihrer Ahnenreihe auf seinen Zwinger "de
Ubrique" zurück.
Antonio und Santiago Montesinos
Rubio haben um 1975 begonnen in
den ländlichen Gebieten typische Rassevertreter zu suchen um daraus
die heutige Rassehundezucht aufzubauen. 1985 wurden 40 Hunde von der RSCE anerkannt.
Durch diese schmale Basis, mit wenigen Stammzuchttieren,
tauchen immer wieder dieselben Namen in der
vierten oder fünften Vorfahrengeneration unserer Hunde auf. Es
werden jedoch auch heute noch bei den Bauern Hunde ohne Papiere
gesucht, um damit die Zuchtbasis zu verbreitern und neue Gene in die
Zucht zu bringen. Inzwischen ist der Perro de Agua Español unter
den einheimischen Rassen in Spanien diejenige mit der größten
Nachzucht. Da der Spanische Wasserhund über Jahrzehnte als
Gebrauchshunderasse gezüchtet wurde, sollte es unser Ziel als
Züchter sein, seinen Arbeitswillen weiterhin zu fördern, damit wir
den idealen Sporthund, den wir für alles nehmen können, erhalten.
Nichts spricht gegen gutes Aussehen und ein schönes Haarkleid - aber das kann und darf nicht alles
sein! Ein positiver Nebeneffekt ihres Multitalentes ist,
dass man sie nahezu für alle Denk- und sportlichen Aufgaben bis hin
zur Rettungshundearbeit ausbilden und einsetzen kann. Perros fühlen
sich am glücklichsten, wenn sie eine Aufgabe haben. Hier gilt also
die konsequente Erziehung und Auslastung von Anfang an. Wie auf
einer englischen Seite zu lesen ist "dem Perro fehle nur noch die
Fähigkeit zu sprechen".
Perros sind eine besonders
intelligente Rasse und machen daher eine ausgezeichnete Figur beim Agility,
Flyball, Disc Dogging, Obedience oder Dogdance – sie mögen Action und Sport, lieben es zu rennen und mögen weite, offene Felder. Eine abwechslungsreiche Beschäftigung ist auch das Fährten oder Mantrailing. Wer
dies nicht in einem Verein betreiben möchte, findet gute Anleitungen in den
Büchern von Viviane Theby
"Dummytraining Schritt für Schritt" und
tolle Ideen für die Nase in
"Schnüffelstunde" und
"Wir schnüffeln weiter". Sie in solchen
Sportarten zu führen, bringt Unterhaltung für Hund und Herrchen/Frauchen und
festigt auch die Bindung beider zueinander. Ein sehr vielseitiger Sport ist
Treibball (mit dem Gymnastikball als "Schaf-Ersatz"). Ziel des Spiels ist, Bälle
in ein Tor treiben zu lassen. Es sind viele Varianten möglich, z.B. einen Ball
suchen, sozusagen "ein verloren gegangenes Lämmchen" wieder holen oder Bälle um
Hindernisse (Bäume) herum treiben. Für den Hund eine sehr sinnvolle, artgerechte
und vor allem gelenkschonende Aktivität. Eine Aufgabe, bei dem seine natürliche
Veranlagung angesprochen wird. Denn "Arbeitslosigkeit" führt auch unter Hunden
zu Frust und somit zu Problemverhalten.

Grundvoraussetzung für den Hundesport, bei dem sich Mensch und Hund begegnen,
ist die gute Sozialisation, für die man Zeit und Geld in den Besuch geeigneter
Welpenstunden und Junghundekurse investieren muss. Vergessen Sie nicht, den
jungen Welpen mit allem vertraut zu machen, was ihm im Leben begegnen
wird – Autos, Züge, Einkaufsstrassen, Kinder, andere Hunde – es wird Ihnen
später vieles dadurch leichter gemacht werden.
Zuletzt die Frage, die sich so viele Familien stellen: ist das der richtige Hund
für Kinder? Nun ja, das hängt in erster Linie davon ab, wie „richtig“ Ihre
Kinder für Hunde sind. Ist Ihr Kind gut erzogen und haben Sie ihm beigebracht,
ein Tier zu respektieren und zu achten, gibt es meistens keine Probleme. Dies
ist natürlich auch eine Frage des Alters – ein Kind im Alter von 2 oder 3 Jahren
ist einfach noch nicht fähig, bestimmte Dinge im Umgang mit einem jungen Hund zu
beachten – daher unsere Empfehlung, mit dem Einzug eines Hundes solange zu
warten, bis das Kind alt und verständig genug ist, den richtigen Umgang mit dem
Hund von Ihnen erlernen zu können. Zeigt der Perro sich in seiner Familie von seiner
anhänglichsten und kinderfreundlichsten Seite, so möchte er doch nicht unbedingt
von jedem Fremden angefasst werden. Dies ist in keinem Fall ein Ausdruck von
Scheu, sondern entspricht einfach seinem Naturell welches der unbedingten Treue
und absoluten Zuverlässigkeit gegenüber seinem Besitzer geprägt ist. Seine
Zurückhaltung Fremden gegenüber erklärt sich aus seiner historischen
Verwendung. Er wurde in der Hauptsache zum Hüten und bewachen gezüchtet. Der Perro sollte bei der Herde bleiben und nicht jeden Nahenden freudig begrüßen. Er
ist hochintelligent, äußerst aktiv und ein hervorragender Aufgabenlöser, da er
meistens schlauer ist, als alle anderen Hunde und daher auch Aufgaben besser und
schneller löst. Wenn man den Perro als den robusten, intelligenten Hund
behandelt, hat er praktisch keine Schwächen. Da die Rasse nicht wie andere
Rassen überzüchtet ist, ist er gesund und widerstandsfähig.
Ein Perro de Agua Español ist unserer Meinung nach der unterhaltsamste,
lebendigste, intelligenteste und am leichtesten auszubildende Hund – und er hat
eine gehörige Portion Humor in sich stecken. Perros sind handlich und man kann
sie fast überall mit hinnehmen (im Hallenbad oder im Kino könnte es vielleicht
problematisch werden) - immer unter Berücksichtigung dessen, dass sie mit Herz,
Kompetenz, Konsequenz und Sachverstand aufgezogen, erzogen und
ausgebildet werden. Sie eignen sich für aktive Menschen, die mit ihrem Hund
arbeiten wollen.
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