Fuego del Norte
27.07.2026

Urlaub für den Hund

Wir sehen es genauso.

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Ein Artikel der Tierarztpraxis Ullmann in Heidenheim:

„DER STILLE SCHREI DER VERLASSENEN: Warum wir als Tierarztpraxis gegen die Abgabe von Hunden und Katzen in Pensionen während des Urlaubs sind. 

Liebe Tierfreunde, liebe Stammkunden und treue Leser unserer Seite,

heute müssen wir über ein Thema sprechen, das uns als Tierärzte und vor allem als Menschen, die Tiere über alles lieben, das Herz bricht. Es ist die Zeit des Jahres, in der die Koffer gepackt werden, die Vorfreude auf Sonne, Strand und Erholung steigt. Doch für Millionen von Hunden und Katzen beginnt in diesem Moment ein Albtraum, der oft unsichtbar bleibt, aber tiefe Wunden in ihren Seelen hinterlässt: die Abschiebung in eine Tierpension.

Aus tiermedizinischer, verhaltensbiologischer und vor allem emotionaler Sicht müssen wir heute Tacheles reden. Wir sind als Tierarztpraxis Ullmann strikt gegen die Abgabe von Tieren in Pensionen – selbst für eine "kurze" Betreuung während des Urlaubs. Warum wir diese Position so konsequent vertreten und was in den Herzen und Köpfen Eurer Lieblinge passiert, wenn Ihr sie zurücklasst, wollen wir Euch heute in diesem sehr großen, emotionalen Beitrag erklären.

1. DER MOMENT, IN DEM IHRE WELT ZUSAMMENBRICHT

Tiere leben im Hier und Jetzt. Sie verstehen nicht, was "Urlaub", "ein paar Tage" oder "ich komme wieder" bedeutet. Wenn der vertraute Geruch Eurer Koffer die Luft erfüllt, beginnt für Eure Hunde und Katzen eine Zeit der wachsenden Unruhe. Sie spüren die Veränderung in Eurem Verhalten, die Hektik, die Anspannung. Ihre Welt, die bis dahin sicher und vorhersehbar war, gerät ins Wanken.

Und dann kommt der Moment des Abschieds. Der Moment, in dem Ihr sie an einen fremden Ort bringt, sie in einen Metallzwinger oder einen fremden Raum sperrt, sie noch einmal kurz drückt und dann geht. Ihr schließt die Tür, und für Euren Hund oder Eure Katze schließt sich in diesem Moment das Tor zu ihrer Familie, ihrem Zuhause, ihrer gesamten Existenz. Was sie fühlen, ist ein reiner, unverfälschter Schock. Ein Gefühl des absoluten Verlassenseins. Ein gebrochenes Herz, das stumm schreit, aber niemanden erreicht.

2. DAS SENSORISCHE CHAOS: Ein Albtraum aus Lärm und Angst

Tierpensionen sind, selbst wenn sie gut geführt sind, für ein sensibles Tier ein Ort der extremen Reizüberflutung.

Der Lärm: Das ohrenbetäubende Bellen, Jaulen und Wimmern anderer Hunde, das Fauchen und Schreien anderer Katzen. Es ist ein konstantes, aggressives Rauschen, das ihren empfindlichen Ohren keine Ruhe lässt. Sie können diesen Lärm nicht einordnen, sie können ihm nicht entkommen. Es ist ein permanenter Alarmzustand für ihr Nervensystem.

Der Geruch: Pensionen stinken nach Angst, Stress, fremden Tieren, Reinigungsmitteln und oft auch nach Exkrementen. Für Tiere, deren Welt primär über den Geruchssinn definiert ist, ist dies ein sensorisches Chaos. Sie verlieren ihre Orientierung, ihren Anker. Der vertraute Geruch ihrer Familie, ihres Zuhauses, ist verschwunden. Stattdessen sind sie umgeben von der olfaktorischen Signatur von Verzweiflung.

Der visuelle Stress: Sie sehen fremde Gesichter, fremde Bewegungen, fremde Gitterstäbe. Sie können sich nicht verstecken, sie haben keine Kontrolle über ihre Umgebung. Jeder fremde Mensch, jedes fremde Tier ist eine potenzielle Bedrohung.

3. DIE MEDIZINISCHEN FOLGEN: Wenn Stress den Körper krank macht

Wir als Tierärzte sehen die Folgen dieser psychischen Folter. Wenn der Stresspegel dauerhaft erhöht ist, reagiert der Körper.

Zerstörung des Immunsystems: Chronischer Stress unterdrückt das Immunsystem. Tiere in Pensionen sind extrem anfällig für Infektionen (Zwingerhusten, Katzenschnupfen-Komplex, Durchfallerkrankungen), die sich in dieser Umgebung rasant ausbreiten.

Appetitlosigkeit & Dehydrierung: Viele Hunde und Katzen verweigern in Pensionen tagelang das Fressen und Trinken. Sie trauern, sie sind zu verängstigt, um Nahrung aufzunehmen. Die Folge sind Gewichtsverlust, Dehydrierung und eine Schwächung des gesamten Organismus.

Stereotypien & Selbstverletzung: Manche Tiere entwickeln vor lauter Stress Stereotypien: Sie drehen sich im Kreis, beißen sich die Pfoten auf, jagen ihren Schwanz oder lecken sich das Fell kahl. Es ist ein Versuch, mit dem unerträglichen psychischen Druck umzugehen.

Alte Leiden brechen auf: Stress kann schlummernde Krankheiten aktivieren oder bestehende chronische Leiden (Herzprobleme, Nierenerkrankungen, Gelenkschmerzen) massiv verschlechtern.

4. DAS ENDLOSE WARTEN: "Wann kommen sie zurück?"

Die Zeitwahrnehmung von Tieren ist anders als unsere. Ein Tag ohne Euch ist für sie eine Ewigkeit. Jeder Schritt, jedes Geräusch lässt sie hoffen: "Sind sie das? Holen sie mich ab?". Doch die Tage vergehen, und die Hoffnung weicht einer tiefen, lähmenden Depression. Sie fühlen sich im Stich gelassen, verraten, weggeworfen. Ihre Treue, ihre Liebe, ihre bedingungslose Hingabe wurde mit Trennung und Isolation belohnt. Sie verstehen es nicht. Und wir als Tierärzte können es ihnen auch nicht erklären.

Eure Verantwortung, Euer Liebling

Der Urlaub ist eine Zeit der Erholung für Euch. Aber er darf nicht auf Kosten Eures Tieres gehen. Wenn Ihr Euch für ein Tier entscheidet, übernehmt Ihr die Verantwortung für sein gesamtes Leben – auch für seine seelische Gesundheit während Eurer Abwesenheit.

Es gibt Alternativen zur Pension, die wir als Tierarztpraxis ausdrücklich befürworten:

Betreuung im eigenen Zuhause: Ein vertrauter Tiersitter, ein Nachbar, ein Familienmitglied, der das Tier in seiner gewohnten Umgebung versorgt. Das Tier behält seine Routine, seine Gerüche, seinen Rückzugsort. Der Stress ist minimal.

Urlaub mit dem Tier: Viele Hunde lieben es, mit ihren Familien auf Reisen zu gehen. Es gibt mittlerweile fantastische hundefreundliche Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze. Ein gemeinsamer Urlaub stärkt die Bindung und schafft unvergessliche Erinnerungen.

Bitte, überlegt es Euch gut. Wenn Ihr Euren Koffer packt, schaut Eurem Hund oder Eurer Katze in die Augen und fragt Euch: "Ist dieser Urlaub es wert, ihr Herz zu brechen?". Tiere haben keine Stimme. Wir sind ihre Stimme. Und wir bitten Euch: Lasst sie nicht im Stich!“

Der Fotograf konnte sich nur durch eine Hechtrolle vor dem nahenden Ungeheuer in Sicherheit bringen ;o)

Unsere Hunde fahren immer mit in den Urlaub und genießen die Zeit genau wie wir. 

Manche Leute meinen, dass ihr Hund ja schon zweimal in der Pension war und verstehen würde, dass er wieder abgeholt wird.

Hunde verstehen viel - aber das sicher nicht. Hunde sind hochsoziale Wesen, die sich eng an ihre Menschen binden und dazu gehört, zusammen zu sein und zu bleiben. Urlaub ist nicht im ureigenen Programm des Hundes abgespeichert. Bald gibt es für Hunde nicht. Nur heute. Hier. JETZT.

Bevor man sich also einen Hund anschafft, sollte man sich das überlegen und die Bereitschaft, nicht nur den Alltag, sondern auch die schönste Zeit des Jahres mit dem Hund zu verbringen und zu genießen.

Keine unserer Perras bleibt freiwillig und gerne daheim, wenn wir gehen. Wenn das schon so ist, wie wäre es für sie, wenn wir sie in einer Tierpension abgeben würden?