Fuego del Norte
12.08.2026 09:04

Zwei interessante Artikel

Ein treffender Text von Dirk und Manuela Schäfer.

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„Respekt ist keine Trainingsmethode – sondern eine Haltung

Wir stolpern beinahe täglich über Beiträge, in denen darüber diskutiert wird, ob Hunde ausschließlich „positiv“ erzogen werden können, ob Grenzen schon aversiv sind, ob ein Nein erlaubt ist, ob Belohnung reicht, ob Korrekturen grundsätzlich falsch sind und welches Trainingslager gerade wieder den einzig moralisch vertretbaren Weg für sich entdeckt hat. Unter solchen Beiträgen entstehen dann zuverlässig dieselben Diskussionen: Die einen werfen den anderen mangelnde Konsequenz vor, die anderen sprechen von Gewalt, irgendwo fällt der Begriff „Dominanz“, kurz darauf „bedürfnisorientiert“, und spätestens nach fünfzig Kommentaren scheint niemand mehr so recht zu wissen, dass ursprünglich einmal ein Hund gemeint war.

Professor Ares würde an dieser Stelle vermutlich seine Brille etwas höher auf die Nase schieben, das alte Notizbuch zuklappen und fragen: „Könnte es sein, dass ihr aus etwas sehr Einfachem gerade eine Wissenschaft der gegenseitigen Beschimpfung gemacht habt?“

Denn vielleicht brauchen wir gar keine neue Trainingsphilosophie. Vielleicht brauchen wir zunächst einmal eine vernünftige Haltung gegenüber anderen Lebewesen.

Behandle deinen Hund so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Nicht identisch – denn ein Hund ist kein Mensch. Aber mit demselben grundsätzlichen Respekt vor Persönlichkeit, Grenzen, Bedürfnissen und Würde.

Wir möchten doch selbst auch nicht permanent herumkommandiert werden. Wir möchten nicht angeschrien, eingeschüchtert oder für jeden Fehler bestraft werden. Gleichzeitig wünschen wir uns aber durchaus Menschen um uns herum, die ehrlich mit uns sind. Die uns Grenzen setzen dürfen. Die auch einmal Nein sagen. Die uns darauf hinweisen, wenn wir gerade ziemlich großen Unsinn veranstalten. Und wir erwarten meistens nicht, dass uns jemand für jedes vernünftige Verhalten sofort ein Stück Käsekuchen reicht.

Karl behauptet an dieser Stelle übrigens, letzteres könne man durchaus einmal ausprobieren.

Aber im Ernst: Zwischen respektvoller Führung und Einschüchterung liegt ein gewaltiger Unterschied. Zwischen einer Grenze und Gewalt ebenso. Zwischen einem Nein und permanenter Unterdrückung sowieso. Und genauso liegt zwischen liebevoller Erziehung und völliger Beliebigkeit ein ziemlich großer Raum.

Ein Hund darf lernen, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt wird. Er darf lernen, dass bestimmte Dinge nicht erlaubt sind. Er darf Frustration erleben und lernen, damit umzugehen. Gleichzeitig sollte er sich auf seinen Menschen verlassen können. Er sollte nicht in permanenter Unsicherheit leben, keine Angst vor Fehlern haben und nicht durch Schmerz oder Einschüchterung gefügig gemacht werden.

Eigentlich ist das gar nicht besonders kompliziert.

Schwierig wird es meist erst dann, wenn Menschen aus ihrer persönlichen Methode eine Weltanschauung machen.

Dann wird nicht mehr gefragt: „Was braucht dieser Hund?“, sondern: „Welche Trainingsrichtung vertrittst du?“ Dann wird ein Werkzeug wichtiger als das Lebewesen, das vor einem steht. Der individuelle Hund verschwindet hinter Begriffen wie positiv, aversiv, operant, bedürfnisorientiert, konsequent oder gewaltfrei.

Dabei sind Hunde genauso unterschiedlich wie Menschen.

Der eine Hund braucht sehr klare Strukturen, weil sie ihm Sicherheit geben. Ein anderer reagiert auf zu viel Druck mit Rückzug oder Angst. Einer ist extrem sensibel, ein anderer ziemlich robust. Einer lernt unglaublich schnell über Futter, einem anderen ist der Keks ziemlich egal, sobald irgendwo ein Reh über die Wiese läuft. Lebensgeschichte, Genetik, Gesundheit, Alter, Erfahrungen und Persönlichkeit spielen immer mit hinein.

Darum sollte gutes Zusammenleben niemals aus einem starren Glaubenssatz bestehen.

Und vielleicht lohnt es sich sogar, diese Gedanken noch etwas weiter zu ziehen.

Denn das Problem findet man längst nicht nur in der Hundewelt.

Wir verlangen Respekt, behandeln aber andere Menschen respektlos, sobald sie eine andere Meinung haben. Wir erwarten Verständnis für unsere Fehler und sind gleichzeitig erstaunlich schnell darin, andere für ihre Fehler endgültig zu verurteilen. Wir möchten individuell wahrgenommen werden und stecken andere trotzdem innerhalb weniger Sekunden in eine politische, gesellschaftliche oder moralische Schublade.

Vielleicht wäre deshalb eine ziemlich einfache Regel gar kein schlechter Anfang:

Behandle andere Lebewesen so, wie du selbst als Individuum behandelt werden möchtest.

Mit Respekt.

Mit Geduld.

Mit Klarheit.

Mit Verständnis dafür, dass Fehler dazugehören.

Mit Grenzen, wo Grenzen notwendig sind.

Und mit genügend Demut, um zu akzeptieren, dass der eigene Weg nicht automatisch der einzig richtige sein muss.

Professor Ares würde vermutlich ergänzen, dass Wissen wichtig ist. Sehr sogar. Dass man sich mit Lernverhalten, Körpersprache, Emotionen und Bedürfnissen beschäftigen sollte. Aber Wissen sollte helfen, das Gegenüber besser zu verstehen – und nicht dazu dienen, sich moralisch über andere zu stellen.

Vielleicht müssten wir dann auch nicht mehr jeden dritten Facebook-Beitrag darüber führen, welcher Hundetrainer gerade auf welcher Seite des großen Methodenkrieges steht.

Wir könnten stattdessen wieder öfter auf den Hund schauen.

Und vielleicht gelegentlich auch auf uns selbst.

Das wäre vermutlich für beide Seiten wesentlich entspannter.“

 

Fuego del Norte Goya

Das ist - leider - so wahr

Das gilt auch für Maßregelungen, vielen fehlt hier das Augenmaß und der Sachverstand für das richtige und für den Hund nachvollziehbare Verhalten. Genau daran scheitern so viele und der PDAE reagiert, in dem er irgendwann nach vorne geht, denn das ist seine Genetik. Und dann muss der Hund weg - schnell - am besten gestern.

Hunde sind keine Kinder. Aber Kind würden wir heute auch nicht mehr gerne sein wollen.

In der Beziehung, im Leben und in der Zusammenarbeit gehören Konsequenz, Struktur, Führung, Liebe und auch das „miteinander arbeiten“, aber keine harte Hand, keine Ungeduld und Ungerechtigkeit und man muss Freude am Hund und am „Gemeinsamen und Gemeinsamkeiten“ haben. Bindung und Beziehung entstehen auch durch die Zeit, die man schweigend miteinander verbringt. Gemeinsam in eine Richtung schauen, sich vertrauen, wissen, dass man sich aufeinander verlassen kann… Einander folgen, weil man möchte, nicht weil man muss…

Körperkontakt und Nähe sind ein Schlüssel zu einer harmonischen Beziehung, einem Miteinander. Auch bei Hunden ;o)

 

Morgenstimmung im Wald

Ein weiterer Beitrag zum Thema Online-Hundetraining von Dirk und Manuela Schäfer

Digitales Hundetraining aus einem neuen Blickwinkel

„Wenn Hundetraining zum Videocall wird – Hilfe für den Hund oder einfach ein gutes Geschäftsmodell?

Heute Morgen sind wir über einen Beitrag gestolpert, in dem digitales Coaching für Hundehalter angeboten wurde. Eigentlich begegnet einem das inzwischen immer häufiger: Online-Sprechstunden, Videocoachings, Webinare und teilweise komplette Verhaltensberatungen, ohne dass Trainer und Hund jemals gemeinsam an einem Ort gewesen sind. Und wir geben zu: Auch wir hatten ja schon unseren WhatsApp Kurs. Dabei stellt sich uns zunehmend nicht nur eine fachliche Frage, sondern auch eine wirtschaftliche. Ist das tatsächlich in erster Linie eine sinnvolle Weiterentwicklung der Hundebetreuung – oder haben wir hier gerade ein neues Geschäftsmodell entdeckt, mit dem sich Beratung besonders einfach skalieren lässt?

Denn aus unternehmerischer Sicht besitzt digitales Coaching natürlich einige Vorteile. Keine Anfahrt, kaum Fahrtkosten, kein Wechsel zwischen Trainingsorten, mehrere Termine hintereinander vom selben Schreibtisch aus und theoretische Inhalte lassen sich teilweise sogar mehrfach verwenden. Aus einer Stunde vor Ort kann plötzlich ein Videotermin werden, aus Einzelberatung ein Onlinekurs und aus persönlicher Begleitung ein digitales Programm für viele Menschen gleichzeitig. Daran ist zunächst überhaupt nichts Verwerfliches. Auch Hundetrainer müssen Geld verdienen. Problematisch wird es aus unserer Sicht erst dann, wenn die wirtschaftlichen Vorteile eines Angebots größer werden als seine fachliche Eignung – und dem Hundehalter trotzdem vermittelt wird, er bekomme damit eine vollwertige Verhaltensberatung.

Professor Ares würde wahrscheinlich genau an dieser Stelle seine Brille etwas höher schieben und fragen: „Was genau soll eigentlich beurteilt werden?“ Denn wenn jemand erklären möchte, wie Lernverhalten funktioniert, warum Hunde bestimmte Signale zeigen, wie man einen Trainingsplan aufbaut oder wie Verstärkung funktioniert, kann digitale Wissensvermittlung ausgezeichnet funktionieren. Auch Nachbesprechungen, Theorieeinheiten oder die gemeinsame Betrachtung guter Videoaufnahmen können ausgesprochen sinnvoll sein. Aber etwas völlig anderes ist die Behauptung, man könne ein komplexes Mensch-Hund-Team ausschließlich durch einen Bildschirm zuverlässig erfassen.

Ein Hund kommuniziert nämlich nicht nur mit den großen, offensichtlichen Signalen, die eine Kamera problemlos einfängt. Häufig sind es winzige Veränderungen: eine minimale Gewichtsverlagerung, Muskelspannung, eine Veränderung der Atmung, ein kurzer Blick, ein Erstarren für den Bruchteil einer Sekunde, Abstandswahl oder Bewegungsrichtung. Gleichzeitig kommuniziert auch der Mensch ständig mit seinem Körper. Und rundherum existiert eine Umwelt, die ebenfalls Teil des Verhaltens ist. Gerüche, Geräusche, räumliche Enge, Menschen, andere Hunde oder etwas, das außerhalb des Kamerabildes passiert.

Eine Kamera zeigt immer einen Ausschnitt.

Und manchmal befindet sich genau außerhalb dieses Ausschnitts die Erklärung für das Verhalten, über das gerade gesprochen wird.

Besonders kritisch wird es für uns deshalb bei Aggressionsverhalten, Angst, Ressourcenverteidigung, starkem Jagdverhalten oder eskalierenden Begegnungsproblemen. Hier reicht es nicht, ein Verhalten zu sehen und anschließend irgendein Etikett daraufzukleben. Ein guter Verhaltensberater muss Zusammenhänge erkennen, Vorgeschichten erfragen, Körpersprache beobachten, Situationen einschätzen und gegebenenfalls auch sagen können: „Das kann ich über einen Bildschirm nicht seriös beurteilen. Ich muss euch vor Ort sehen.“

Und vielleicht ist genau dieser Satz einer der wichtigsten Qualitätsmerkmale überhaupt.

Denn Professionalität zeigt sich für uns nicht darin, für jedes Problem ein Produkt anbieten zu können. Professionalität zeigt sich manchmal gerade darin, einen Auftrag nicht anzunehmen oder einen digitalen Termin nur als ersten Schritt zu betrachten.

Karl sieht die Sache natürlich wieder etwas weniger diplomatisch. Er meinte, es sei schon praktisch, wenn man inzwischen gleichzeitig Hundetrainer, Onlinecoach, Webinaranbieter und Kursplattform sein könne, ohne dabei die Hausschuhe ausziehen zu müssen.

Ganz so einfach wollen wir es uns nicht machen.

Natürlich gibt es hervorragende Trainer, die digitale Möglichkeiten verantwortungsvoll nutzen. Ein guter Onlinekontakt kann Menschen erreichen, die weit entfernt wohnen, kann Wissen vermitteln, kann eine persönliche Betreuung ergänzen und manchmal sogar helfen, überhaupt erst herauszufinden, welcher Fachmann vor Ort benötigt wird. Digitalisierung ist also nicht das Problem.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wird das digitale Angebot dort beendet, wo seine fachlichen Grenzen beginnen?

Oder werden diese Grenzen vielleicht manchmal großzügig übersehen, weil ein digitales Coaching bequem, gut vermarktbar und wirtschaftlich ausgesprochen attraktiv ist?

Denn wenn aus einem hochindividuellen Lebewesen irgendwann ein standardisierter Onlinekunde wird, sollten wir zumindest einmal genauer hinschauen. Hunde sind keine Software, bei der man per Videokonferenz kurz die Einstellungen korrigiert. Verhalten entsteht aus Persönlichkeit, Vorgeschichte, Umwelt, Beziehung und Situation. Und je komplexer das Problem, desto gefährlicher kann es werden, wenn ein begrenzter Bildausschnitt plötzlich für das ganze Bild gehalten wird.

Professor Ares würde wahrscheinlich sagen: „Digitales Coaching kann ein Werkzeug sein. Aber sobald das Werkzeug wichtiger wird als das, was wir tatsächlich beobachten können, haben wir ein Problem.“

Und Karl?

Der hat die Sache wieder auf einen Satz reduziert:

„Ein Videocall lässt sich prima skalieren. Einen Hund verstehen leider nicht.“

Splish, Splash - Badespaß am See